Wie seit heute Nacht über die Newsticker verbreitet wird, ist eines der weltweit größten IT-Probleme gelöst. Ein Gremium aus Regierungs- und Wirtschaftsvertretern und technischen Experten (darunter ICANN und CERN) beschloss eine radikale Lösung des weltweiten Spam-Problems. Die E-Mail wird abgeschafft! Noch in dieser Woche werden sämtliche Mailserver still gelegt. Das Protokoll E-Mail wird nicht mehr zur Verfügung stehen, die dazugehörigen Ports geschlossen. Wie ein Sprecher der Expertengremiums mitteilte habe man schon seit einiger Zeit beraten wie man dem immer stärker werdenden Spam-Wachstum und den damit einhergehenden Problemen Herr werden könne. Der überwiegende Teil des E-Mail-Verkehrs ist unerwünschte Werbung. Leitungen und Server ächzen unter der gewaltigen Last und durch immer neue Tricks gelingt es Spammern in immer kürzerer Zeit größere Spam-Wellen zu versenden. Nach eingehender Prüfung der technischen Möglichkeiten war man zu dem Schluss gekommen, dass die E-Mail nicht mehr zu retten sei. Zu viele Lücken und Schwachstellen in dem vor 40 Jahren eingeführten Dienst – das bestätigt sogar sein Erfinder Lawrence Roberts “Die E-Mail wurde eben nicht gezielt geplant. Sie entstand durch das Nutzerverhalten.”
Als E-Mail-Ersatz wird das System light post eingeführt, bei dem die Texte ausgedruckt auf klassischem Wege verschickt werden. Zunächst wird das Porto für diese light posts umgerechnet fünf Euro-Cent betragen. Dies entspricht den Kosten die Unternehmen ohnehin für den E-Mail-Versand aufbringen müssten. “Wenn man alle Kosten zusammenrechnet, Spam-Sortierung, IT-Ressourcen etc. käme man wahrscheinlich auf einen noch höheren Betrag.”, so ein Sprecher des Gremiums. Schrittweise sollen nun in allen Unternehmen und Behörden Druckzentren für light post eingeführt werden. Der Anwender wird nichts von der Umstellung merken. Er kann seinen E-Mail-Client weiter benutzen. Die IT-Abteilungen werden die E-Mails weiterleiten, ausdrucken und den Dienstleistern übergeben. Auf Dateianhänge, speziell Multimedia muss vorerst verzichtet werden. Durch die symbolische Frankiergebühr wird das Geschäft mit den Massenmails schlagartig unattraktiv für die Spammer. Außerdem besteht für sie kein Zugang mehr zur gesicherten Versand-Infrastruktur.
Einhellig positive Reaktionen auf das Ende der E-Mail gibt es schon aus Deutschland. Ein Sprecher des BUND teilte mit, dass es wahrscheinlich gar nicht zu einem Mehrverbrauch an Papier kommen würde. “Von der Idee des papierlosen Büros haben wir uns schon vor Jahren verabschiedet. Es ist hinlänglich bekannt, dass die meisten Anwender einen Großteil ihrer E-Mails ausdrucken.” Ein Vertreter des Innenministeriums begrüßte ebenfalls die Einstellung des E-Mail-Dienstes: “Die Beendigung des E-Mail-Protokolls ist ein weiter wichtiger Schritt im Kampf gegen den internationalen Terrorismus. Damit wird kriminelle Kommunikation wirkungsvoll bekämpft und ein weiterer abstrakter Gefahrenraum geschlossen.”
PS: Das war mein Beitrag zum c’t-Editorial-Wettbewerb.
Der Einfach-Editor für Linux-Texter heißt: Pyroom (http://pyroom.org/index.html).
Unglaublich, daß man einfach so schwierig machen kann. Für OS2 Warp und Solaris habe ich noch nichts gefunden, für QNX auch nicht ;o).
Der Autor von heute hat es nicht leicht, statt eines leeren Blattes, hat er mit einem (fast) vollen Bildschirm zu kämpfen. Menüs, angepasste Toolbars und nützliche Widgets rauben ihm die Konzentration. Darum ist der neue Anspruch: Reduktion. Fast unbemerkt hat eine Anzahl von “neuartigen” Schreibprogrammen auf den Computern Einzug gehalten. Für Windows-PCs heißt es Q10 (http://www.baara.com/q10/) für Apple sind es Writeroom (http://www.hogbaysoftware.com/products/writeroom) und myTexts (http://myownapp.com/site/moapp3.0/applications_leo/writing/mytexts/mytexts.html), ein Online-Abkömmling ist Writer (http://writer.bighugelabs.com/).
Allen gemeinsam: keine Menüs, Toolbars oder Ähnliches. Meist weiße oder grüne Schrift auf schwarzem Hintergrund – einfach loslegen. Ablenkung zumindest seitens des Schreibprogramms ausgeschlossen. Einige spartanische Features sind manchmal doch enthalten: Rechtschreibprüfung, Wörter zählen und manchmal Schrift vergrößern (nicht Schriftgröße ändern) – das war’s schon. Text unterstreichen, kursiv, Überschrift? Fehlanzeige! Keine Chance für Spielereien! Es geht wirklich nur ums Schreiben.
Eine Einfachheit wie sie mancher noch aus den Anfangstagen der Textverarbeitung kennt. Klappt die Rückbesinnung? Wo sind die Grenzen für solche Editoren? Das sind zweifellos größere Textprojekte, mit Verwaltung von Textteilen. Der Umgang mit Grafiken ist ausgeschlossen und auch Layout-Arbeiten im Text, was ja eigentlich auch nicht im Textprogramm passieren sollte. Eine weitere Grenze besteht im Geschäftsalltag, wo sich Microsofts .doc-Format als Quasistandard durchgesetzt hat.
Wie ist die Arbeit mit diesen Programmen? Man tauscht: Komfort gegen kreative Bescheidenheit. Man könnte regelrecht Angst bekommen: ein leerer 24’’-Monitor, der einsam blinkende grüne Cursor. Kein Seitenlayout – wie viel habe ich schon geschrieben, wie viel darf ich noch, wird eine Seite reichen? Urängste des Textproduzenten, der ja leider seiner Kreativität nicht freien Lauf lassen kann, sondern die Vorgaben von Lektoren, Chefredakteuren und Layoutern (ja, manchmal sogar Layoutern) erfüllen muss.
Also wer tauscht mit? Menübar gegen Kreativität, Icons gegen puren Text – Reduktion auf das Wesentliche.
PS: Für die Hardcore-Texthandwerker gibt’s die mechanische Schreibmaschine Olympia SG 3N. Unverändert seit 1958, bis auf zwei kleine Details $ und # wurden gegen Eurosymbol und @-Zeichen getauscht. Was sie theoretisch E-Mail-fähig macht, aber zum Perl-Programmieren ungeeignet.